Die fünf Raddampfer des Vierwaldstättersees: Maschinenraum, Fahrpläne und erste Klasse
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Die fünf Raddampfer des Vierwaldstättersees: Maschinenraum, Fahrpläne und erste Klasse

Quick Answer

Welche Raddampfer fahren auf dem Vierwaldstättersee und wann?

Fünf kohle- oder ölbefeuerte Raddampfer verkehren auf dem Vierwaldstättersee: Uri, Unterwalden, Schiller, Gallia und Stadt Luzern. Alle fünf fahren im Winter nach reduziertem Fahrplan und von etwa April bis Oktober nach vollem Tagesfahrplan; welches Schiff welche Route bedient, wechselt je nach Datum. Prüfen Sie deshalb den Fahrplan am jeweiligen Tag, statt sich darauf zu verlassen.

Fünf Schiffe, ein See – und warum sie noch fahren

Der Vierwaldstättersee besitzt die grösste erhaltene Flotte historischer Raddampfer der Schweiz: fünf Schiffe, alle über neunzig Jahre alt, alle nach wie vor im planmässigen Passagierdienst statt als Museumsstücke am Kai. Sie gehören der SGV, der Schifffahrtsgesellschaft, die auch die modernen dieselelektrischen Motorschiffe des Sees betreibt, und teilen sich denselben Fahrplan, dieselben Anlegestellen und weitgehend dieselben Tarife wie der Rest der Flotte. Der Unterschied liegt in dem, was unter Deck passiert, und es lohnt sich zu wissen, auf welches Schiff man steigt, bevor man das Ticket kauft, denn nicht jede Fahrt auf der Anzeigetafel ist ein Raddampfer.

Dieser Guide stellt die fünf Schiffe namentlich vor, zeigt, wann welches realistisch auf dem Wasser ist, was der Zuschlag für die erste Klasse tatsächlich bringt, was man vom Maschinenraum sehen kann und wie sich die Raddampfer neben allem anderen einordnen, was man auf dem See unternehmen kann, vom kurzen Katamaran-Hop bis zur privaten Charterfahrt.

Die fünf Schiffe

SchiffBaujahrAnmerkungen
DS Uri1901Ältestes der fünf, kleinste Tonnage
DS Unterwalden1902Nahezu baugleich mit der Uri
DS Schiller1906Benannt nach dem Dramatiker, mittlere Grösse
DS Gallia1913Gebaut für die verkehrsreichsten Vorkriegsrouten
DS Stadt Luzern1928Jüngstes und grösstes Schiff, höchste Kapazität

Alle fünf sind kohle- oder ölbefeuert, alle fünf laufen noch mit ihren originalen oder überholten Verbundmaschinen, und alle fünf werden in der eigenen SGV-Werkstatt in Luzern gewartet – ein Grund, warum die Flotte überlebt hat, statt wie die meisten europäischen Seedampfer verschrottet zu werden.

Keines der fünf Schiffe fährt an jedem Tag des Jahres: Sie durchlaufen turnusmässig, meist einzeln, das Trockendock für Kessel- und Rumpfarbeiten, und im Winter ist es üblich, dass nur ein oder zwei Schiffe im Einsatz stehen, während Motorschiffe die übrigen Strecken übernehmen. Wer ein bestimmtes Schiff und nicht nur „irgendeinen Raddampfer” sehen möchte, sollte den Tagesfahrplan prüfen, der das Schiff jeder Fahrt nennt, statt sich auf Annahmen zu verlassen.

Wann sie wirklich fahren

Das praktische Muster, jenseits der Werbung, sieht so aus: ein voller Tagesfahrplan mit mehreren Dampfern etwa von April bis Oktober und ein dünnerer Winterfahrplan im Rest des Jahres, in dem je nach Wartung und Nachfrage keiner, einer oder zwei Dampfer unterwegs sind. An Sommerwochenenden trifft man am ehesten mehrere Raddampfer gleichzeitig an, auch auf der langen Strecke Luzern–Flüelen vorbei an Brunnen und dem Urnersee. Die Zwischensaison (April, Mai, Oktober) ist ein guter Kompromiss: Die Dampfer fahren, aber es ist deutlich weniger los als im Juli und August.

Wenn Ihre Reise von einem bestimmten Schiff abhängt, buchen Sie Transport, Mittagessen oder Rückreise nicht darauf, ohne vorher den Tagesfahrplan der SGV zu prüfen. Schiffe werden aus technischen Gründen kurzfristig getauscht, und aus einer Dampferfahrt kann still und ohne gesonderte Ankündigung eine Motorschifffahrt werden – erkennbar nur am Fahrplan selbst. Für die allgemeine Orientierung im gesamten Seenetz erklärt unser Guide Bootsfahrpläne verständlich erklärt, wie man die Anzeigetafel am Steg liest.

Was der Maschinenraum wirklich zeigt

Das ist der Teil, der einen Raddampfer gegenüber einem Motorschiff lohnenswert macht, und er kostet nichts extra. Auf allen fünf Schiffen liegt der Maschinenraum unter dem Hauptdeck, ungefähr mittschiffs, und ist durch Glasscheiben oder eine Geländeröffnung für die Besichtigung freigegeben statt verschlossen. Während das Schiff fährt, kann man Kurbelwelle, Pleuelstangen und Kreuzkopf der Verbundmaschine in voller Bewegung beobachten, samt der Crew, die sie bedient.

Es gibt keine separate Buchung, kein zusätzliches Ticket und keinen festen Besichtigungsslot: Man geht hinunter, schaut so lange man möchte, und geht wieder hinauf. Es ist einer der wenigen Orte in der Schweiz, an denen man neunzehnhundertjährige – vielmehr Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts – bei tatsächlicher Arbeit beobachten kann statt hinter einem Absperrband im Museum, und es ist der beste Grund überhaupt, vor dem Einsteigen zu prüfen, welches Schiff auf Ihrer Fahrt eingesetzt wird.

Wer lärmempfindlich ist, sollte Ohrstöpsel mitbringen; der Maschinenraum ist in unmittelbarer Nähe laut, deutlich lauter als die Passagierdecks. Fotografieren ist grundsätzlich kein Problem, aber der Raum ist eng und wird auf kurzen, stark frequentierten Sommerfahrten wie Luzern–Weggis schnell voll, sodass man früh oder spät am Tag mehr Platz hat, um die Mechanik tatsächlich zu sehen statt nur eine Wand aus fremden Smartphones.

Erste Klasse: was sie bringt und was nicht

Die zweite Klasse bringt Sie auf das Hauptdeck und den unteren Salon, die erste Klasse auf das Oberdeck und den Salon am Heck – meist ruhiger, weniger überfüllt und mit besserer freier Sicht für Fotos vom See und den umliegenden Bergen bei Weggis und Vitznau oder dem Bürgenstock. Der Zugang zum Maschinenraum ändert sich dadurch nicht, er steht beiden Klassen offen, und die Überfahrt wird dadurch auch nicht schneller.

Der Zuschlag richtet sich nach der Distanz statt nach einer Pauschale. Auf einer kurzen Strecke wie Luzern–Vitznau kommen so meist nur wenige Franken zum Preis der zweiten Klasse hinzu; auf der vollständigen Strecke Luzern–Flüelen, der längsten Linienroute auf dem See mit rund dreieinhalb Stunden, liegt er eher bei CHF 20. Swiss Travel Pass und Halbtax-Abo decken die zweite Klasse ab; wer mit einem der beiden unterwegs ist und in die erste Klasse möchte, zahlt nur den Zuschlag statt des vollen Erste-Klasse-Preises – auf längeren Strecken ein sinnvolles Upgrade, auf kurzen Fahrten dagegen verzichtbar, da die zweite Klasse dort ausserhalb sommerlicher Stosszeiten ohnehin nicht überfüllt ist.

Tarife, Pässe und wo die Raddampfer hineinpassen

Linienfahrten auf dem Vierwaldstättersee, Raddampfer wie Motorschiffe, sind in der zweiten Klasse durch den Swiss Travel Pass sowie durch den regionalen Tell-Pass abgedeckt, der Schiffe und Bergbahnen in der Zentralschweiz bündelt. Einzeltickets sind ebenfalls an jedem Steg oder über SBB erhältlich, falls Sie sich nicht auf einen Pass festlegen möchten. Unsere Guides zum Swiss Travel Pass und zum Tell-Pass zeigen, welcher sich je nach Aufenthaltsdauer in der Region und geplanten Fahrten tatsächlich lohnt.

Falls Linienfahrten nicht in Ihren Tagesplan passen, decken einige buchbare Optionen ähnliches Terrain nach eigenem Zeitplan ab. Eine einstündige Katamaranfahrt auf dem See ist die schnelle Alternative ohne feste Abfahrtszeit, wenn Sie die Aussicht ohne festen Fahrplan geniessen möchten – allerdings ein moderner Katamaran statt eines Dampfers, ganz ohne Maschinenraum.

Für private Gruppen, die den See für sich allein möchten, fährt eine private Luxus-Bootsfahrt auf dem Vierwaldstättersee nach Ihrem eigenen Zeitplan statt nach dem der SGV. Und wer das Wasser lieber mit etwas zu trinken verbindet, macht aus der Überfahrt mit einer Weinverkostungsfahrt in der Region Vierwaldstättersee einen ganzen Nachmittag statt einer reinen Punkt-zu-Punkt-Fahrt.

Praktische Strecken, die man kennen sollte

Luzern nach Weggis oder Vitznau (etwa 50–70 Minuten) ist die Standard-Kurzstrecke und an einem Sommertag am ehesten mit einem Raddampfer bedient, mit Anschluss in Vitznau an die Rigi-Zahnradbahn; was oben zu tun ist, zeigt unser Guide zur Rigi. Luzern nach Kehrsiten-Bürgenstock verbindet mit der Standseilbahn hinauf zum Bürgenstock und dem Hammetschwand-Lift, beschrieben im Guide zu Bürgenstock und Hammetschwand. Luzern nach Flüelen, die Durchgangsfahrt vorbei an Küssnacht und Brunnen, ist die Strecke, auf der sich der Zuschlag für die erste Klasse am ehesten lohnt, einfach weil man über drei Stunden an Bord ist.

Keine dieser Strecken erfordert eine Vorausbuchung, wie es bei manchen Bergbahnen der Fall ist; Sie kaufen am Steg oder an Bord, und Raddampfer wie Motorschiffe teilen sich dasselbe Ticket. Eine Buchung hilft an den verkehrsreichsten Sommerwochenenden, wenn Boote auf der Strecke Luzern–Weggis um die Mittagszeit tatsächlich ausgebucht sein können.

Lohnt es sich, einen Tag darum herum zu planen

Für die meisten Erstbesucher, die einen Tag in Luzern verbringen oder ein umfassenderes Luzern-Reiseprogramm durcharbeiten, reicht eine kurze Hin- und Rückfahrt nach Weggis oder Vitznau, um den See, die Bergkulisse und, mit etwas Glück auf einem Raddampfer, den Maschinenraum zu erleben, ohne den ganzen Nachmittag zu verplanen.

Sich auf die vollständige Fahrt nach Flüelen oder ein Ticket der ersten Klasse festzulegen, ergibt eher Sinn, wenn Boote und Seelandschaft der eigentliche Punkt des Tages sind statt nur ein Zwischenstopp, oder wenn Sie ohnehin einen ruhigeren, langsameren Tag auf dem Wasser verbringen, wie er in dem stillen Ufer des Vierwaldstättersees beschrieben wird. In jedem Fall lohnt sich vorher der Blick, welches Schiff tatsächlich auf Ihrer Fahrt eingesetzt wird: Ein Raddampfer mit offenem Maschinenraum ist ein ganz anderer Ausflug als ein modernes Motorschiff auf derselben Strecke, selbst zum gleichen Preis.

Wer mit Kindern unterwegs ist, für den ist der Maschinenraum meist der Höhepunkt der Überfahrt statt eines Umwegs; siehe Luzern mit Kindern für die Einordnung im Rahmen eines Familientags. Und wenn die Kosten den Ausschlag zwischen einer Dampferfahrt und einer der oben genannten buchbaren Kreuzfahrtoptionen geben, liefert unser Guide zu den Reisekosten in Luzern den weiteren Zusammenhang, was ein Tag auf und am See in etwa kostet.

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